Keine Investition in die Zukunft

Das Landwirtschaftsministerium stellt die aktuellen Berechnungen und die geplante Hilfe zu den Dürreschäden des Sommers 2018 vor.

Nun ist es endlich soweit, die ersten validen Daten und Fakten der ersten Ausläufer der Klimakatastrophe sind erstellt und das Landwirtschaftsministerium mit seiner Ministerin Julia Klöckner (CDU) hat dies heute der Öffentlichkeit präsentiert. Die Bundesregierung und bis jetzt 14 Bundesländer haben folgende Hilfen für die Landwirtschaft entschieden:

150 – 170 Mio. Euro vom Bund und die gleiche Summe noch einmal von den Bundesländern, so werden ca. 340 Mio. Entschädigung in die Landwirtschaft investiert. Das ist ungefähr das 4-Fache der Förderung der letzten ähnlichen Katastrophe im Jahr 2003.

Noch weitere Fakten: Der Ertrag von Getreide & Raps ist geringer als das schlechteste Ertragsjahr 1994. Der Ertrag liegt 16 % unter dem Dreijährigen-Mittel der Vorjahre 2015 – 2017. Am schlimmsten hat es die Bundesländer Schleswig-Holstein (-31%), Brandenburg (-27%), Sachsen-Anhalt (-26%) und Mecklenburg-Vorpommern (-25%) getroffen.

Aktuell sind 10.000 Betriebe, die mit über 30 % Verlust in diesem Jahr zu rechnen haben und von einer Existenzgefährdung betroffen sind. Im letzten Dürrejahr 2003 wurden 4.400 Betriebe mit einem Drittel der aktuell geplanten Summe gefördert. Es gibt noch keine aktuellen Daten für Zuckerrüben und Kartoffeln, da werden sicherlich auch weitere Schäden gemeldet.

Interessant ist, dass bis jetzt 14 Bundesländer dieser Förderung zugestimmt haben (außer Saarland und Rheinlandpfalz), 16 Bundesländer haben aber Schadendaten geliefert. Darunter auch Bremen, Hamburg, Berlin. Es war mir nicht bewusst, dass diese städtisch angehauchten Bundesländer mit viel Landwirtschaft gesegnet sind.

Leider bleibt Frau Klöckner sehr unklar in Ihrer Bewertung dieser Dürre und was dies nun wirklich für unser Land bedeutet. Sie spricht von Wetterphänomene, die Dürre sei eine Naturanomalie. Damit unterstellt sie, es wird nächstes Jahr bestimmt wieder besser. Frau Klöckner spricht zwar von einer Katastrophe, einem „Witterungsereignis nationalen Ausmaßes“. Bleibt aber in Ihrer Zukunftsprognose sehr unklar. Auf Rückfrage berichtet sie davon, dass eine Ackerbaustrategie erarbeitet und im Herbst 2019 von ihrem Ministerium vorgelegt wird. Was diese Ackerbaustrategie wirklich beinhalten wird, wurde nicht gesagt.

Dass wir als Solidargemeinschaft landwirtschaftliche Betriebe fördern, die unverschuldet in eine existenzbedrohende Situation gekommen sind, ist positiv zu bewerten. Das die Landwirtschaft zu den wichtigsten nationalen Wirtschaftseinheiten gehören, ist selbstverständlich auch klar. Wir haben aber immer noch das Bild der „kleinen  Landwirtschaft“, bei der das Landvolk durch unsere Dörfer auf einem alten Traktor tuckert und glücklich mit der Familie einen kleinen Bauernhof bewirtschaftet. Mit diesem romantischen Bild hat aber die reale Existenz nichts mehr gemein. Wo früher über 686.800 Betriebe waren (1989) sind heute nur noch 285.000 Betriebe (2013). Und diese Zahl wird sich in den letzten 5 Jahre weiter verringert haben. Also mehr Betriebe mit einer immer größeren agrarindustriellen Ausrichtung.

Es wurde gefördert nach dem Motto: Nur wer wächst, hat eine Chance zu überleben. Bäuerliche kleinstrukturierte Betriebe wurden von riesigen Agrarunternehmen übernommen. Und diese Agrarmonster werden gefördert, welche an einem Raubbau an unserer Natur durch intensivste Ausnutzung von Tier und Boden beteiligt sind.
Das Interessante ist, dass Wissenschaftler*innen nun genau diese Höfe mit kleinen Parzellen, die unterschiedlich angebaut werden, durchbrochen von Wald, Flüssen und Blumenwiesen, als die Form der landwirtschaftlichen Nutzung ansehen, die unsere Zukunft retten wird. Also völlig gegensätzlich zur jetzigen Förderung durch Subventionen.

Frau Klöckner scheint sich sehr unsicher zu sein, ob diese Dürrekatastrophe nun wirklich vom Klimawandel kommt oder nicht doch nur ein Wetterphänomen ist. Aussagen von Forschern wie John Schellnhuber zieht sie erst mal in Zweifel. (Siehe jüngste Sendung von Anne Will). Mit diesen Zahlungen an die Landwirtschaft Betreibenden subventioniert sie nun eine Vielzahl von Höfen, die durch intensive und ausnutzende Tierwirtschaft und Monokulturen wesentlich mit für den Klimawandel verantwortlich sind.

Wie wär es, wenn Nachhaltigkeit im Anbau ein Kriterium wäre! Ich weiß, das ist ein völlig neuer und skandalöser Ansatz. Aber immer noch mal zum Verständnis: Monokulturen und Massentierhaltung verstehen sich als Agrarunternehmen, die ohne Rücksicht auf gesellschaftliche und ökologische Verluste produzieren. Jedes andere Unternehmen muss Verluste einkalkulieren! (Bio-) Betriebe der Landwirtschaft sollten dafür unterstützt werden. Aber hier gibt es noch keine Zahlen, wie groß hier die Schäden sind. Da es sich aber meistens um kleinere Biobetriebe handelt, wird der Geldsegen an Ihnen wahrscheinlich vorbei gehen.

Die V-Partei³ schlägt in ihrem Programm unter anderem vor:

  • Eine grundlegende Umorientierung und Anpassung der Produktion an die natürlichen Bedingungen, die geachtet und respektiert werden müssen. Die Politik hat auch in der Landwirtschaft dafür Sorge zu tragen, dass eine Energiewende vollzogen wird, von fossilen zu nachhaltigen Energiequellen,
  • ein Verbot von synthetischen Düngern, die das Wasser und die Böden belasten, Förderung von ökologischen Methoden zum Erhalt und der Wiederherstellung der Bodenfruchtbarkeit,
  • ein Verbot von Pestiziden und Umstrukturierung der Monokulturen, Förderung der Artenvielfalt als präventive Methode, um den Befall der Kulturen durch die Vermehrung bestimmter Insektenarten zu vermeiden, besonders dringliche Maßnahmen zum Schutz der Bienenvölker und deren Vermehrung,
  • die Verkürzung der Transportwege von Nahrungsmitteln durch die Förderung der regionalen Landwirtschaft und lokale Verkaufsstrategien, wie zum Beispiel die solidarische Landwirtschaft und direktem Verkauf vom landwirtschaftlichen Betrieb an die Konsument*innen.

Die Konzentration der Betriebe bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktion kann nur durch hohe Investitionen in Anlagen gewährleistet werden, womit sich viele Landwirt*innen auf Jahre hinaus verschulden. Die kleinen und mittleren Betriebe können im Preiskampf nicht lange mithalten. Die Folge ist eine weitere Konzentration auf dem Land und die Fusion von Konzernen auf globaler Ebene: Die Kapitalkonzentration führt zur Kartellbildung, deren Marktmacht sich demokratischer Kontrolle mehr und mehr entzieht.

Und als Forderung an Landwirtschaft, Politik und Gesellschaft:

  • Die Agrarökologie als Paradigma für eine nachhaltige Landwirtschaft anzuerkennen und die wissenschaftliche Forschung entsprechend zu fördern,
  • die Patentierung von Saatgut und dessen genetische Veränderung zu unterbinden und die Patentierung lebender Organismen wie Tiere sowie menschlicher Gene zu untersagen,
  • die Förderung des Erhalts und Tausches von Saatgut als soziale Praxis,
  • die Souveränität über die Produktion von Nahrungsmitteln für die Bevölkerung sicherzustellen, und die Versorgung entsprechend möglichst regional zu gewährleisten.

Nachzulesen unter: https://v-partei-niedersachsen.de/iv-landwirtschaft-natur-und-gentechnik-klare-werte-und-mut-zur-veraenderung/

Die einzelne Landwirt*in ist für sich gesehen unverschuldet in diese Situation gelangt. Eine Hilfe ist unerlässlich, denn alles andere würde bedeuten, dass wir in Zukunft immer stärker von ausländischen Erzeugnissen abhängig sind.

Es gibt aber sehr viele Landwirte, die sehr genau in die Zukunft blicken und eine Änderung ihrer Ausrichtung anstreben und zu einem verträglichen Bio-Anbau wechseln möchten. Dies aber nicht können, da die Politik durch ihre restriktiven Subventionen, genau dies nicht unterstützt.

Am Ende gewinnt nur einer – und das ist die Industrie, die Pestizide und genmanipulierte Pflanzen anbieten.

Wir reden in Deutschland davon, dass wir keine genmanipulierten Lebensmittel aus den USA möchten. Die Wirklichkeit ist aber: Wir essen schon lange nichts anderes. Jede dieser Hochleistungspflanzen, jedes dieser armen tierischen Hochleistungsgeschöpfe ist genmanipuliert. Und was das für unseren Organismus und dem Zusammenspiel zwischen Natur, Umwelt und uns, bedeutet? Wir müssen das schlimmste vermuten.

Wir erleben die ersten sanften Ausläufer der Klimakatastrophe. Es wird höchste Zeit für Änderungen. Wir müssen JETZT in die Zukunft investieren und nicht die Fehler der Vergangenheit noch belohnen.

Es wird Zeit für die Agrarwende 2030. Mehr davon in unserem Programm: https://v-partei-niedersachsen.de/programm/

© Holger Pangritz, Göttingen 22.08.2018
Stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes V-Partei³ Niedersachsen
www.pangritz-blog.de


 

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